Aus Alt mach Neu: Günstig finanzieren mit dem Wohnkredit?
Banken lassen sich zum Verkauf ihrer Produkte immer wieder Neues einfallen. Die ING-Diba, eigenem Bekunden nach Deutschlands beliebteste Direktbank, bietet mit ihrem Wohnkredit nun ein Darlehen zur Anschaffung von Möbeln, einem Swimming-Pool oder ähnlichen Annehmlichkeiten an. Das Darlehen wird an Kreditnehmer mit guter Bonität und gesichertem Einkommen vergeben, die in Deutschland oder im Ausland eine Immobilie besitzen. Zwar ist der Immobilienbesitz Voraussetzung -eine Eintragung ins Grundbuch findet allerdings nicht statt. Die Zinsen sind mit 5,4 Prozent in der günstigsten Variante verträglich. Dennoch: Bei genauerem Hinsehen lässt sich schnell erkennen, dass es sich bei dem Angebot um geschicktes Marketing handelt, bei dem kein Vorteil durch den Immobilienbesitz generiert wird. Es wird lediglich suggeriert, dass Eigentümer besonders günstige Konditionen erhalten. Ein Blick auf die Zinsen bei anderen Banken, die ohne Verwendungszweck auch an Mieter vergeben werden, belegt dies: Die 5,4 Prozent-Verzinsung lässt sich auch anderswo realisieren, wenn Bonität und Einkommen stimmen. Die Netbank etwa vergibt Ratenkredite mit bereits ab 4,99 Prozent und verlangt dabei kein Immobilieneigentum.Wenn kein Grundbucheintrag erfolgt, nützt es der Bank ohnehin nicht viel, wenn der Kreditnehmer eine Wohnung oder ein Haus sein Eigen nennt. Zum einen besteht im Zweifelsfall kein gesondertes Verwertungsrecht, zum anderen steht es dem Eigentümer auch nach der Auszahlung des Wohnkredites frei, sein Objekt zu veräußern. Es handelt sich bei dem Angebot also um einen in der Tat gelungenen Marketing-Trick. Dass die Kredite unter anderem von Deutschlands größtem Hypothekenvermittler, dem in München ansässigen Makler Interhyp, vermittelt werden, ist ebenfalls dem Marketing-Gedanken zuzuschreiben. Die ING-Diba trennt mit ihrem Angebot den Markt auf. Das Geldhaus bietet auch einen Ratenkredit „für alle“ an, der mit 7,4 Prozent im Jahr deutlich teurer ist. Der Zinssatz aber ist im Vergleich zur Konkurrenz zu hoch – besonders angesichts der jüngsten Leitzinssenkung der EZB. Denn neben der Netbank bieten auch die SKG-Bank und die DKB-Bank günstigere Kredite an. Der 7,4-Prozent-Kredit wird sogar von einigen Dispositionskrediten anderer Institute unterboten. Die ING-Diba bietet preisbewussten Kunden den Wohnkredit an und geht davon aus, dass viele von denen eine Immobilie besitzen. Das Beispiel zeigt, dass Verbraucher stets auf der Hut sein müssen: Geschenkt wird nichts. Wer neue Möbel oder ein Carport finanzieren will, kann allerdings durchaus auf das Angebot der ING-Diba zurückgreifen: Überteuert ist der Kredit schließlich nicht. Wie bei allen Darlehen aber gilt, dass der „American Way of Life“ auch in Zeiten günstiger Zinsen nicht der Königsweg ist und dass ein verantwortungsbewusster Umgang mit Krediten an den Tag gelegt werden sollte.






